Als Kind fand ich Museen furchtbar langweilig. Zu still. Zu staubig. Zu erwachsen. Alles roch nach Schulklasse, Langeweile und Pflichtprogramm.
Außer Dinos, die gingen immer.
Heute ist das anders. Kirchen, Denkmäler, Museen – in Italien gehören sie für mich zum Gehen wie der Espresso zum Stehen. Und selbst nach über zwanzig Jahren entdecke ich immer noch Schönes, Altes und manchmal auch Schauriges.
Wenn ich in Florenz bin, besuche ich fast immer die Uffizien. Auch wenn ich dort inzwischen jedes Staubkorn namentlich kenne.
Und jedes Mal verharre ich vor ihr:
Caravaggios Medusa.

Ich kann nicht sagen, warum genau. Vielleicht wegen ihres Blicks, weil sie mich jedes Mal anders ansieht. Oder weil sie etwas zeigt, das man nicht entschärfen kann: Angst. Gewalt. Schönheit. Schaurig-schön.
Sie erinnert mich daran, dass Kunst nicht dafür da ist, gefallen zu wollen.
Einmal allerdings war sie nicht da. Wartung. Restauration. Pflege. Kunst hat nun mal auch ein Eigenleben. Kein Drama – dachte ich.
Ein Tourist neben mir war fassungslos. Er war eigens aus Amerika angereist. Nur wegen der Medusa, sagte er. Er hatte gezahlt, geplant, erwartet. Und nun fehlte sie. Er wurde laut. Sprach von Recht. Von Anspruch. Von Enttäuschung.
Ich verstand ihn – und gleichzeitig nicht.
Kunst funktioniert nicht auf Knopfdruck. Nicht auf Zuruf. Nicht auf Bestellung. Kunst schuldet uns nichts. Sie ist kein Versprechen. Kein Lieferdienst. Keine Garantie auf Erfüllung.
Die Medusa blieb abwesend – vorübergehend.
Manchmal ist sie da.
Manchmal nicht.
Weitergedacht:
• Indiana Jones in Venedig
• Lesen verändert Realität
• Warum Dinge bleiben
Manche dieser Notizen enden nicht hier.
Sie gehen weiter – in meinen Büchern.