Es gibt Orte, die man kennt, bevor man dort gewesen ist. Nicht aus dem Reiseführer. Nicht von Postkarten. Sondern aus Geschichten wie Indiana Jones. Man hat sie gesehen – im Flackern des Fernsehers, im Kino. Und manchmal bleiben sie. Eine Kirche. Eine Gasse. Ein weiches, sanftes Licht. Der Ort schleicht sich ins Gedächtnis und macht es sich dort gemütlich.
»Ah, Venedig.«
Wer den Film kennt, weiß, woher dieser Satz stammt.
Für alle anderen:
Indiana Jones und der letzte Kreuzzug
Die Szene, in der er mitten in Venedig aus einem Gully steigt, als wäre es das Normalste der Welt.

Wo wurde die Szene gedreht?
Die Chiesa di San Barnaba diente im Film nur von außen als Kulisse für die fiktive Bibliothek; die Innenaufnahmen entstanden im Studio. Auf dem Campo San Barnaba vor der Kirche wurde die Szene gedreht, in der Indiana Jones nach seinem Aufenthalt in den nicht existierenden Kellerräumen aus einem Kanaldeckel mitten auf dem Platz steigt.
Eigentlich ist die Chiesa di San Barnaba keine große Sehenswürdigkeit. Keine Kathedrale. Kein weltberühmtes Bauwerk. Im Kanon der weltberühmten venezianischen Sehenswürdigkeiten spielt sie keine große Rolle. Sie steht in Dorsoduro, etwas abseits der üblichen Monumente.
Und doch ist das Internet voll von Bildern mit Menschen, die genau dort stehen. Vor der Fassade. Am Kanal. Neben der Tür.
Ich verstehe das. Vielleicht besser, als ich zugeben möchte. Denn solche Orte tragen plötzlich mehr in sich. Erinnerungen an Szenen, die wir mit ihnen verbinden. Gefühle, die vielleicht nur einen Moment da waren und trotzdem geblieben sind.
Vielleicht hat meine Italiensehnsucht mit solchen Bildern begonnen.
Nicht mit dem ersten eigenen Schritt durch eine fremde Stadt. Sondern viel früher. In einer Kameraperspektive. Einem Dialog. Einem Bild auf einer Leinwand. Im Kino. Vielleicht reisen wir deshalb. Um etwas wiederzufinden, das wir längst in uns tragen.
Mich hat dieser Gedanke nie ganz losgelassen: Geschichten erzählen nicht nur von Menschen. Sondern auch von Orten. Und manche Orte werden dadurch zu etwas, das zwischen Wirklichkeit und Erinnerung liegt.
Venedig ist für viele ein Sehnsuchtsort. Für mich war es zuerst ein Filmort.
Und genau darin liegt der Zauber von Kino und Literatur: Sie machen uns mit einer Welt vertraut, lange bevor wir sie betreten.
Weitergedacht:
• Elysium – Gladiators wahre Heimkehr
• Wenn die Gondeln Trauer tragen
Manche dieser Notizen enden nicht hier.
Sie gehen weiter – in meinen Büchern.