Die literarische Notaufnahme #1
Manche Metaphern hätten im Lektorat sterben müssen.
Schlechte Metaphern aus Liebesromanen erkennt man oft daran, dass sie etwas ganz anderes auslösen als beabsichtigt. Statt Leidenschaft erzeugen sie Ratlosigkeit. Statt großer Gefühle ein Schmunzeln. Und dann stellt sich eine Frage, die schwer wieder verschwindet:
Warum hat das jemand geschrieben?
Nicht aus Bosheit, auch nicht aus Dummheit. Die meisten dieser Sätze entstehen aus Übermut. Aus einem Moment heraus, in dem ein Gefühl größer gemacht werden sollte, als es war. Aus dem Drang, etwas Unvergessliches zu sagen. Ein Bild wird aufgerufen, das über das Ziel hinausschießt. Zu gewollt, zu aufgeladen, zu bemüht. Der Satz will Eindruck hinterlassen, er will mehr sein als Beschreibung. Und genau darin liegt das Problem.
Solche Metaphern bzw. Vergleiche zeigen, wie schnell Sprache ins Rutschen kommt, wenn sie Wirkung sucht. Wie nah der Moment des Scheiterns an dem liegt, was einmal eindringlich klingen sollte. Man spürt den guten Willen und bleibt gerade deshalb irritiert zurück.
Die folgenden Fundstücke stammen aus Liebesromanen. Einige sind unfreiwillig komisch. Andere bewegen sich in jenem schmalen Grenzbereich zwischen Originalität und Totalschaden. Wieder andere hätten vermutlich davon profitiert, wenn jemand rechtzeitig gefragt hätte:
„Sind wir sicher, dass dies das Bild ist, mit dem wir arbeiten möchten?“
Willkommen in der literarischen Notaufnahme.
Fundstücke aus der literarischen Wildnis
Die Beispiele stammen aus verschiedenen Liebes- und Erotikromanen und wurden für diese Sammlung thematisch zusammengestellt. Manche sind unfreiwillig komisch, manche erstaunlich kreativ und einige bewegen sich in jenem schmalen Grenzbereich zwischen Genie und Laubbläser.
Zur Ehrenrettung aller Lektoren
Die meisten der hier gezeigten Beispiele stammen vermutlich aus Büchern, die nie eine professionelle Textprüfung gesehen haben. Manche Metaphern hätten im Lektorat sterben müssen. Andere hätten nie geboren werden dürfen.
Manche dieser Notizen enden nicht hier.
Sie gehen weiter – in meinen Büchern.







