Horrorfilme können mir gar nichts. Ich bin mit deutschen Märchen aufgewachsen.
Schon in meinem Kinderzimmer lauerte der wahre Schauer. Zwischen den Seiten von »Hänsel und Gretel« und »Rotkäppchen« offenbarte sich etwas, das tiefer ging als jeder Film.
Das Grauen war nicht laut. Es war selbstverständlich. Eine Großmutter, die gefressen wird. Ein Kind, das im Wald ausgesetzt wird. Eine Hexe, die Kinder mästet. Verglichen mit der kannibalistischen Knusperhexe wirkt selbst Pizzagesicht Freddy Krueger eher harmlos.
Diese alten Geschichten haben mich früh gelehrt, dass das Unheimliche nicht immer von außen kommt. Sondern oft mitten aus der Welt selbst.
Es ist das, was bis heute bleibt: dieses Gefühl, dass hinter dem Offensichtlichen noch etwas liegt. Dass ein Haus knarren kann, ohne dass jemand da ist. Dass ein Windstoß mehr erzählt, als er sollte.

Ich mag keinen Horror, der schreit. Ich mag den, der wartet. Der sich nicht aufdrängt, sondern langsam in die Gedanken einsickert. Der nicht mit Monstern arbeitet, sondern mit Möglichkeiten.
Man findet ihn nicht im Splatter. Sondern in leeren Fluren. In stillen Räumen. In Momenten, in denen etwas nicht ganz stimmt.
Filme wie »The Shining« können das. Mit ihrer langsamen, beinahe höflichen Art, dich in eine Atmosphäre zu ziehen, aus der du nicht mehr herauskommst.
Aber der eigentliche Horror begann für mich beim Lesen. Nicht auf der Leinwand. Sondern im Kopf. Denn ein Film zeigt dir Bilder. Ein Buch zwingt dich, sie selbst zu erzeugen. Und genau deshalb geht es tiefer.
Ein Buch zeigt dir keine Bilder.
Es zwingt dich, sie selbst zu erzeugen.
Es gibt keine Schnitte. Kein Entkommen. Nur diesen langsamen Prozess, in dem sich etwas festsetzt, ohne dass du genau sagen kannst, wann es angefangen hat.
Stephen King hat mir nicht einfach eine Geschichte erzählt. Er hat sie in mir entstehen lassen. Und das, was dort entsteht, ist immer ein bisschen näher. Ein bisschen stiller. Und genau deshalb beunruhigender.
Und vielleicht liegt es genau daran. Dass man das Buch irgendwann zuklappt, das Licht ausmacht und feststellt, dass die Geschichte nicht zwischen den Buchdeckeln geblieben ist.
Manche dieser Notizen enden nicht hier.
Sie gehen weiter – in meinen Büchern.