Lesen verändert Realität – Raumkrümmung aus Papier

Notizen zwischen Leipzig und Florenz

Lesen verändert Realität – manchmal leise. Wenn man genug Bücher besitzt, wird der Raum gekrümmt – und eine eigene Galaxie voller Möglichkeiten entsteht.

Die Regale tragen es übrigens mit Fassung. Wobei … ein bisschen Gravitation ist schon dabei.

Nein – gemeint ist etwas anderes.
Die Art, wie Worte Welten öffnen. Manchmal reicht ein Satz.

Und plötzlich sitzt du nicht mehr dort, wo du gerade bist. Nicht mehr in deinem Wohnzimmer, nicht mehr in dieser Stadt, nicht einmal mehr in diesem Leben, das du dir so sorgfältig eingerichtet hast.

Du bist woanders. Und das Merkwürdige ist: Du gehst nicht dorthin. Du wirst gezogen. Wie von etwas, das stärker ist als dein Alltag. Stärker als Termine, Routinen, dieser ganze leise Lärm, den man irgendwann für Realität hält.

Wie Geschichten sogar reale Orte vorprägen können, zeigt Indiana Jones in Venedig.

Ein Leser lebt tausend Leben, bevor er stirbt.
Wer nie liest, lebt nur eines.
 George R.R. Martin  –

Ein gutes Buch verschiebt Koordinaten.

Es reicht oft ein einziger Gedanke, und alles, was eben noch fest war, wirkt plötzlich verhandelbar. Zeit zum Beispiel. Oder Nähe. Oder die Frage, wer man eigentlich ist, wenn gerade niemand zusieht.

Und irgendwann sitzt du da, mit diesem leichten, verwischten Lächeln auf die Welt und weißt: Das war keine Geschichte. Das war ein Riss in der Realität. Du bist hindurch. Und ein Teil von dir ist noch dort.

Weitergedacht:
  •  23. April – Welttag des Buches

Manche dieser Notizen enden nicht hier.
Sie gehen weiter – in meinen Büchern.

 

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