Die Toskana Wochenschau blickt diesmal sechzig Jahre zurück. Auf eine Nacht, in der Florenz im Wasser versank, auf Menschen, die aus aller Welt zu Hilfe kamen, und auf Kunstwerke, die bis heute die Spuren dieser Katastrophe tragen. Doch wir begegnen auch einer Frau, die Dinosaurier zum Atmen bringt, echten Löwen mitten in Florenz und einem eigenwilligen Brot aus Siena, das nach Walnüssen, Rosinen und Pfeffer duftet.
60 Jahre Arno-Flut:
Als Florenz im Schlamm versank
Am 4. November 1966 wurde Florenz von einer der schwersten Katastrophen seiner Geschichte getroffen. Nach tagelangen Regenfällen trat der Arno über die Ufer. Gewaltige Wassermassen ergossen sich durch die Stadt, überschwemmten Wohnhäuser, Geschäfte, Kirchen, Museen und Bibliotheken. In manchen Stadtvierteln stand das Wasser mehrere Meter hoch. Es riss Möbel und Autos mit sich, drückte Schlamm in die Gebäude und verteilte Heizöl aus beschädigten Tanks. Zurück blieb eine Stadt, deren Kunstschätze ebenso verwundet waren wie die Menschen, die in ihr lebten. Die Flut forderte auch Menschenleben.
Die historischen Fotografien zeigen ein Florenz, das mit dem vertrauten Stadtbild kaum noch etwas gemein hat: Straßen voller Trümmer, zerstörte Geschäfte, ölverschmierte Bücher und Menschen, die versuchen, mit Eimern und Schaufeln gegen eine kaum vorstellbare Verwüstung anzukommen.
Am kommenden Mittwoch jährt sich diese Katastrophe zum sechzigsten Mal.
Florenz erinnert mit zahlreichen Ausstellungen, Dokumentarfilmen, Begegnungen und Gedenkveranstaltungen an den 4. November 1966. Doch dabei geht es um weit mehr als die Erinnerung an einen besonders schlimmen Tag. Die Flut veränderte das Bewusstsein dafür, wie verletzlich unser kulturelles Erbe ist. Und sie zeigte, wozu Menschen fähig sind, wenn sie gemeinsam handeln.
Die Angeli del fango:
Als junge Menschen aus aller Welt nach Florenz kamen
88 amerikanische Studierende der Stanford University verbrachten im Herbst 1966 ihr Auslandssemester in Florenz. Sie wohnten in der Villa San Paolo, oberhalb der Stadt. Für viele war es die erste große Reise außerhalb ihrer Heimat.
Dann kam die Flut.
Als die jungen Leute am Morgen des 4. November in Richtung Stadtzentrum aufbrachen, begegneten sie einer Welt, die sie nicht wiedererkannten. Autos und Möbel trieben durch die Straßen. Das Wasser reichte stellenweise bis zur Hüfte. Eine Studentin erinnerte sich später daran, wie sie gemeinsam mit Freunden durch die überfluteten Straßen watete. Ein anderer Student fotografierte die Verwüstung. Schließlich hakten sich die jungen Amerikaner unter, um auf dem Rückweg nicht von der Strömung mitgerissen zu werden.
Doch beim Fotografieren blieb es nicht. Die Studierenden begannen, Geschäfte auszuräumen, Schlamm zu beseitigen und bei der Rettung von Kunstwerken zu helfen. In der Nationalbibliothek trugen sie durchnässte Bücher in höhere Stockwerke. Mit Pinzetten wurden einzelne Seiten voneinander getrennt und mit dünnem Papier zum Trocknen vorbereitet.
Besonders eindrucksvoll ist eine Erinnerung vom Ponte Vecchio. Einige Studierende standen mit ihren Kameras an der Brücke, als Juweliere sie aufforderten, die Fotoapparate wegzustecken und lieber mit anzupacken. Gemeinsam bargen sie Schmuckstücke und Edelsteine aus dem Schlamm. Was für eine Szene: Junge Amerikaner, die eigentlich ein Semester in Italien verbringen wollten, knien zwischen den Trümmern des Ponte Vecchio und suchen nach verlorenem Schmuck.
Die Stanford-Studierenden waren keineswegs die einzigen Helfer. Tausende junge Menschen aus Italien und vielen anderen Ländern kamen nach Florenz. Sie arbeiteten in Bibliotheken, Kirchen, Museen und privaten Häusern, oft unter schwierigen Bedingungen. Die Florentiner gaben ihnen einen Namen, der bis heute untrennbar mit der Katastrophe verbunden ist: Angeli del fango – Schlammengel.
Zum sechzigsten Jahrestag erinnert auch ein Dokumentarfilm an diese außergewöhnliche internationale Solidarität.
Die vergessenen Frauen der Flut
Wenn von den Schlammengeln gesprochen wird, erscheinen vor unserem inneren Auge meist junge Männer und Frauen, die Bücher aus dem Schlamm tragen. Doch viele Geschichten der Flut sind über Jahrzehnte weniger beachtet worden. Vor allem die Leistungen einzelner Frauen.
Eine neue Publikation mit dem Titel Women of the Flood: A New Future for Florence widmet sich diesen Menschen und ihren ganz unterschiedlichen Beiträgen zur Rettung der Stadt. Besonders erfreulich: Die digitale Fassung wird kostenlos angeboten.
Da ist beispielsweise Maria Luisa Righini Bonelli, die damalige Direktorin des Wissenschaftsmuseums, das wir heute als Museo Galileo kennen. Als die Flut das Museum bedrohte, brachte sie wertvolle wissenschaftliche Instrumente in die oberen Stockwerke. Darunter befanden sich historische Kompasse, Astrolabien und eines der Fernrohre Galileo Galileis. Der Bericht beschreibt, wie sie sich schließlich über einen Fenstersims zum benachbarten Uffiziengebäude bewegte, um weitere Gegenstände vor dem Wasser zu retten. Was für ein Bild: Eine Museumsdirektorin, die unter gefährlichen Bedingungen versucht, Jahrhunderte wissenschaftlicher Geschichte in Sicherheit zu bringen.
Andere Frauen arbeiteten an der Rettung der zerstörten Bücherbestände. Die Buchbinderin Dorothy Cumpstey und die Chemikerin Margaret Hey gehörten zu jenen Fachleuten, deren Arbeit in der Nationalbibliothek zur Entwicklung neuer Restaurierungsverfahren beitrug.
Auch die zahlreichen Florentinerinnen, die Straßen, Häuser und Geschäfte vom Schlamm befreiten, bekommen in der Publikation ihren Platz. Es sind Geschichten, die zeigen, dass die Rettung von Florenz weder das Werk einzelner Helden noch einer einzigen Generation war.
Die Wunden,
die sechzig Jahre später noch nicht verheilt sind
Sechzig Jahre sind eine lange Zeit. Genug, um eine zerstörte Straße wieder aufzubauen, eine beschädigte Brücke zu reparieren oder ein verwüstetes Geschäft neu einzurichten.
Bei Kunstwerken und historischen Büchern sieht die Sache anders aus. In der Biblioteca Nazionale Centrale di Firenze traf die Flut einen gewaltigen Bestand an Büchern, Zeitschriften und historischen Dokumenten. Nicht nur die Werke selbst wurden beschädigt, sondern auch Kataloge und Verzeichnisse. Damit ging bei zahlreichen Büchern die Verbindung zu ihrer ursprünglichen Herkunft und Einordnung verloren. Noch heute warten etwa 30.000 Werke darauf, wieder vollständig identifiziert und in die Bibliotheksbestände eingeordnet zu werden.
Dazu hat die Nationalbibliothek ein bemerkenswertes Projekt begonnen. Schülerinnen und Schüler, Freiwillige und Bibliotheksmitarbeiter arbeiten gemeinsam daran, den namenlos gewordenen Büchern ihre Identität zurückzugeben. Es ist eine besondere Form der Rettungsarbeit. Während die Schlammengel 1966 Bücher aus dem Wasser holten, versuchen die Helfer von heute herauszufinden, wohin diese Bücher überhaupt gehören.
Ich finde diesen Gedanken bemerkenswert: Ein Buch kann eine Katastrophe physisch überstehen und trotzdem für Jahrzehnte verloren bleiben. Am 4. November will die Nationalbibliothek Ergebnisse des Projekts vorstellen.
Ein anderes Beispiel befindet sich in den Sammlungen der Uffizien. Der San Sebastiano des Renaissance-Malers Francesco Botticini, entstanden zwischen 1475 und 1480, wurde bei der Flut schwer beschädigt. Wasser und Schlamm griffen die bemalte Holztafel an und hinterließen Schäden, die bis heute sichtbar sind.
Nun soll das Werk restauriert werden. Unterstützt wird die Arbeit durch die traditionsreiche Officina Profumo-Farmaceutica di Santa Maria Novella, deren eigene historischen Räume und Archive 1966 ebenfalls betroffen waren. Die Restaurierung übernimmt das renommierte Opificio delle Pietre Dure. Bis zum 22. November steht das beschädigte Gemälde im Mittelpunkt einer Ausstellung mit dem Titel Frammenti non dimenticati. Firenze, 1966 in der historischen Officina.
Auch die Organisation Friends of Florence und der Corriere Fiorentino wollen zum Jahrestag weitere Restaurierungen anstoßen. Schulen, Unternehmen, Institutionen und Privatpersonen sollen sich daran beteiligen können.
Die Geschichte der Flut ist damit keineswegs abgeschlossen. Natürlich hat Florenz in den vergangenen Jahrzehnten auch in den Hochwasserschutz investiert. Über entsprechende Projekte haben wir bereits in früheren Wochenschauen berichtet. Doch selbst wenn sich die Stadt künftig besser schützen lässt, bleiben die Schäden von damals Teil ihrer Geschichte.
Piero Bargellini und die Bilder,
die Florenz nicht vergessen lässt
Eine der prägenden Persönlichkeiten jener Tage war der damalige Bürgermeister Piero Bargellini. Ein neuer Dokumentarfilm zeichnet seine Rolle während der Katastrophe nach. Grundlage sind Briefe, Tagebücher, Fotografien und Filmaufnahmen, darunter bislang wenig bekannte Dokumente. Die Erinnerungen Bargellinis und seiner Frau Lelia Cartei werden von Stefano Massini und Pamela Villoresi gesprochen. Besonders interessant ist ein Farbfilm von Marcello de Angelis, der nach sechzig Jahren wiederentdeckt wurde.
Und dann sind da die Fotografen. Das Bildarchiv Foto Locchi, der Amerikaner Joe Blaustein und der italienische Fotoreporter Giorgio Lotti dokumentierten damals die Verwüstung von Florenz.
Blaustein verwendete einen für die damalige Zeit noch ungewöhnlichen Farbfilm. Viele Jahre später schenkte er der Stadt 102 seiner Fotografien, damit sie nicht in Vergessenheit gerieten.
Lotti wiederum fotografierte das Hochwasser unter anderem am Ponte Vecchio. Seine Bilder gelangten in die Presse und trugen dazu bei, das Ausmaß der Katastrophe international sichtbar zu machen.
Zum Jahrestag veröffentlicht La Nazione einen großformatigen Bildband mit 292 Seiten. Er enthält zahlreiche historische Aufnahmen, teilweise bislang unveröffentlicht, und soll am 4. November kostenlos zusammen mit der Zeitung erhältlich sein. Schon die im Artikel gezeigten Bilder machen neugierig. Eine mögliche Empfehlung für alle, die Florenz nicht nur als Stadt der Renaissance kennenlernen möchten, sondern auch verstehen wollen, welche Narben ihre jüngere Geschichte hinterlassen hat.
Florenz erinnert sich in diesen Tagen an eine Katastrophe. Aber auch an Menschen, die nicht weggesehen haben, als Hilfe gebraucht wurde. Darin liegt die wichtigste Geschichte dieses sechzigsten Jahrestags.
Mariaelena Mariotti:
Die Frau aus Carrara, die mit Dinos Gassi geht
Carrara ist weltberühmt für seinen Marmor. Michelangelo suchte hier nach geeignetem Stein für seine Skulpturen, und bis heute prägen Bildhauerei und Steinbearbeitung die Stadt.
Mariaelena Mariotti hat sich ebenfalls der Bildhauerei verschrieben. Allerdings widmet sie sich Wesen, die schon sehr lange vor Michelangelo auf der Erde unterwegs waren: Dinosauriern.
Die Künstlerin, die sich Mother of the Dinosaurs nennt, erschafft lebensgroße Rekonstruktionen prähistorischer Tiere. Ihre Arbeiten entstehen aus ganz unterschiedlichen Materialien, darunter Ton, Wachs, Pappmaché, Kunstharz und wiederverwertete Werkstoffe.
Eines ihrer spektakulärsten Projekte war ein etwa dreizehn Meter langer Tyrannosaurus rex. Das Tier lag unter einer Decke, und sein Bauch hob und senkte sich, als würde es atmen. Da bekommt der Ausdruck „lebensechte Skulptur“ eine ziemlich neue Bedeutung.
Was zunächst nach einer ungewöhnlichen künstlerischen Leidenschaft klingt, besitzt einen ernsthaften wissenschaftlichen Hintergrund. Mariotti beschäftigt sich intensiv mit Anatomie, Fossilien und aktuellen Erkenntnissen der Paläontologie. Dabei begann alles mit einer Kindheitsbegeisterung, die nicht immer auf Verständnis stieß. Zeitweise versuchte sie sogar, ihre Leidenschaft für Dinosaurier aufzugeben, um weniger aufzufallen. Zum Glück hat das nicht dauerhaft funktioniert.
Heute träumt Mariotti davon, in Carrara ein naturkundliches Museum aufzubauen. Darin sollen nicht nur Dinosaurier, sondern auch Fossilien, Gesteine und die geologische Geschichte der Apuanischen Alpen ihren Platz bekommen. Eine Stadt, die seit Jahrhunderten für die Bearbeitung von Stein bekannt ist, könnte damit einen ganz neuen Blick auf ihre eigene Landschaft ermöglichen.
Florenz und seine Löwen:
Als im Palazzo Vecchio echte Raubtiere lebten
Wer durch Florenz spaziert, begegnet früher oder später einem Löwen. Nicht unbedingt einem lebendigen, aber fast überall steinernen, bronzenen oder gemalten Exemplaren. Der Löwe ist seit Jahrhunderten ein Symbol der Stadt. Besonders bekannt ist der Marzocco, der für die Freiheit, Unabhängigkeit und Macht der Florentiner Republik steht.
Was heute kaum jemand vermuten würde: Florenz begnügte sich keineswegs mit künstlerischen Darstellungen dieser Tiere. Die Stadt hielt tatsächlich lebende Löwen. Bereits im Mittelalter gab es entsprechende Gehege. Von der Mitte des 14. Jahrhunderts bis ins Jahr 1550 befand sich sogar ein Löwenzwinger unmittelbar am Palazzo Vecchio. Der Straßenname Via dei Leoni hinter dem Gebäude erinnert noch heute daran.
Die Haltung der exotischen Raubtiere war ein Zeichen von Macht und Prestige. Historische Quellen berichten auch von Tierkämpfen und öffentlichen Vorführungen, die wir aus heutiger Sicht wohl kaum als besonders erfreulichen Teil der Florentiner Kulturgeschichte betrachten würden.
Eine neue Ausstellung in der Sala dei Gigli des Palazzo Vecchio erzählt diese Geschichte anhand von Skulpturen, Gemälden, historischen Dokumenten und Karten. Zu sehen sind unter anderem Darstellungen des Marzocco und Zeugnisse der früheren Löwenhaltung. Auch das berühmte Löwensymbol von Donatello im Bargello gehört zum größeren Themenzusammenhang. Die Ausstellung I leoni di Firenze läuft bis zum 18. Januar 2027. Und wer das nächste Mal die Via dei Leoni entlanggeht, weiß nun, weshalb die Straße so heißt.

Wenn die Kraniche zurückkehren:
Wintergäste im Parco della Maremma
In den Feuchtgebieten der Maremma kündigt sich der Winter nicht nur durch kühlere Temperaturen an. Er kommt manchmal mit lautem Trompeten vom Himmel: Die Kraniche sind zurück.
Nach der Brutzeit in Nord- und Osteuropa ziehen die großen Vögel südwärts. Einige verbringen die Wintermonate in den geschützten Feuchtgebieten der südlichen Toskana. Besonders wichtig ist die Palude della Trappola im Parco della Maremma. Hier finden die scheuen Vögel Ruheplätze und geeignete Bedingungen für die kalte Jahreszeit. Anfang der 2000er-Jahre wurden dort im Winter nur wenige Dutzend Kraniche beobachtet. Inzwischen können es in den Wintermonaten rund 700 sein.
Ein erfreuliches Beispiel dafür, wie wirksam langfristiger Naturschutz sein kann. Dass die Tiere wieder häufiger auftreten, hängt unter anderem mit dem Schutz der Feuchtgebiete und internationalen Maßnahmen zur Erhaltung der Art zusammen.
Allerdings bleibt die Landschaft verletzlich. Durch die Erosion der Küste dringt zunehmend Salzwasser in empfindliche Feuchtgebiete ein. Auch die zurückkehrenden Kraniche sind deshalb auf den fortdauernden Schutz ihres Lebensraums angewiesen. Wer die Vögel beobachten möchte, sollte möglichst Abstand halten. Kraniche reagieren empfindlich auf Störungen. Mit etwas Glück lassen sie sich trotzdem entdecken. Häufig schon lange, bevor man sie überhaupt sieht.
Villa Ginori am Lago di Massaciuccoli:
Ein Stück Puccini-Geschichte steht zum Verkauf
Sieben Millionen Euro. So viel soll eine historische Villa am Lago di Massaciuccoli kosten, die einst Carlo Ginori Lisci gehörte. Der Markgraf stammte aus jener Familie, deren Name bis heute mit der berühmten Porzellanmanufaktur Ginori verbunden ist. Und er war mit einem Mann befreundet, der auf der gegenüberliegenden Seite des Sees lebte:
Giacomo Puccini. Der Komponist widmete Ginori seine Oper La Bohème.
Die Villa bewahrt bis heute Räume, in denen Puccini verkehrte. Dazu kommen dekorative Wandgestaltungen im Liberty-Stil von Francesco Fanelli, einem Schüler Giovanni Fattoris.
Besonders ungewöhnlich ist die Verbindung zwischen Gebäude und See. Das Wasser reicht unter große Bögen des Hauses bis zu einer überdachten privaten Bootsanlegestelle. Man konnte also mit dem Boot direkt zur Villa gelangen. Das Anwesen umfasst mehrere Gebäude, einen weitläufigen Park und historische Gartenanlagen.
Heute wird es von den Nachkommen der Familie Ginori Lisci zum Verkauf angeboten. Mich interessiert an dieser Geschichte weniger der Kaufpreis als die Vorstellung, dass sich hier einst zwei Männer begegneten, deren Namen bis heute mit ganz unterschiedlichen Seiten italienischer Kultur verbunden sind: der eine mit Porzellan, der andere mit Musik. Und irgendwo dazwischen lag der stille See.
Pan co’ Santi aus Siena:
Warum in ein Allerheiligenbrot Pfeffer gehört
Wenn in Siena der Herbst beginnt, taucht in den Bäckereien ein Brot auf, das auf den ersten Blick ein wenig an ein deutsches Früchtebrot erinnert: Der Pan co’ Santi. Er enthält Walnüsse, Rosinen, Olivenöl und Zucker. So weit wäre alles noch ziemlich vertraut. Dann kommt schwarzer Pfeffer dazu. Und zwar keineswegs nur eine symbolische Prise.
Das traditionelle Allerheiligenbrot wird in Siena besonders im Oktober und November gebacken. Seinen Namen verdankt es den Santi, den Heiligen, womit in diesem Fall die Walnüsse und Rosinen gemeint sind. Wie bei vielen regionalen Spezialitäten besitzt beinahe jede Familie ihre eigene Variante. Manche mögen den Pan co’ Santi süßer, andere würziger oder kräftiger gepfeffert.
Die Verbindung von süß und pikant verleiht dem Brot seinen besonderen Charakter. Es passt zu einer Tasse Kaffee ebenso wie zu einem Glas Vin Santo. Und es bringt uns geschmacklich schon ein kleines Stück in Richtung Advent und Weihnachten.

Rezept: Pan co’ Santi mit Walnüssen, Rosinen und Pfeffer
Für zwei kleinere Brote, nach der traditionellen Rezeptvariante von Terre di Siena, mit für die heimische Küche angepassten Mengen.
Zutaten
- 500 g Weizenmehl, Type 550
- 20 g frische Hefe
- 250–300 ml lauwarmes Wasser
- 150 g Rosinen
- 200 g Walnusskerne
- 100 g Zucker
- 80 ml natives Olivenöl extra
- 1 TL Salz
- 1–2 TL frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
- etwas Vin Santo oder alternativ Traubensaft zum Einweichen
- 1 Eigelb zum Bestreichen
Zubereitung
- Die Hefe in einem Teil des lauwarmen Wassers auflösen. Mit Mehl, dem restlichen Wasser und zunächst etwas Zucker zu einem geschmeidigen Teig verkneten. Abgedeckt an einem warmen Ort etwa zwei Stunden gehen lassen.
- Währenddessen die Rosinen ungefähr 30 Minuten in etwas Vin Santo oder Traubensaft einweichen. Die Walnüsse grob hacken und in einer Pfanne ohne starke Hitze leicht anrösten.
- Rosinen abtropfen lassen. Zusammen mit den Walnüssen, dem restlichen Zucker, Olivenöl, Salz und schwarzem Pfeffer unter den aufgegangenen Teig kneten. Falls er zu weich wird, etwas Mehl hinzufügen.
- Den Teig in zwei Portionen teilen, zu runden Laiben formen und auf ein mit Backpapier belegtes Blech setzen. Nochmals ungefähr 60 bis 90 Minuten gehen lassen, bis sich das Volumen deutlich vergrößert hat.
- Die Laibe mit verquirltem Eigelb bestreichen und im vorgeheizten Backofen bei 170 °C Ober-/Unterhitze etwa 40 bis 45 Minuten backen. Anschließend auf einem Gitter auskühlen lassen.
Der Pan co’ Santi schmeckt frisch, gewinnt aber auch nach einem Tag an Aroma. Besonders der schwarze Pfeffer verbindet sich dann mit der Süße der Rosinen und dem Geschmack der Walnüsse.
Wer mag, probiert ihn leicht geröstet mit etwas Butter. Das ist keine überlieferte Sieneser Vorschrift, aber durchaus einen Versuch wert.
Diesmal hat uns die Toskana von den schlammigen Straßen des Jahres 1966 bis zu den Kranichen der Maremma geführt. Und ich finde, nach so viel Geschichte darf es zum Schluss ruhig nach frisch gebackenem Brot duften.
Habt ein schönes Wochenende und genießt den italienischen Herbst!
Freitag. Toskana. Wochen-Ciao.
Nächste Woche wieder.
Euer Raphael
Bilder der Woche
Manche dieser Notizen enden nicht hier.
Sie gehen weiter – in meinen Büchern.





























