Ein Pseudonym ist ein Raum, den man sich selbst schafft. Ein Name, den man sich gibt, wenn der eigene nicht so recht nach Buchrücken klingt.
Ich habe nichts gegen meinen Klarnamen. Aber er war nie dazu gedacht, auf einem Cover zu stehen. Er wirkt solide, überaus deutsch. Kategorie »Müller, Meier, Schmidt«. Ein Name für Versicherungsmakler oder Kfz-Sachverständige. Nicht für Geschichten über Sehnsucht, Aufbruch oder Espresso in der Nachmittagssonne.
Ich wollte einen Namen, der funktioniert wie ein gutes Cover: Wiedererkennbar. Passend. Erzählerisch. Einen Namen, der etwas von dem Klang in sich trägt, den meine Sätze hinterlassen sollen.
Die im Schatten sieht man nicht.
Und nein – das hat nichts mit Verstecken zu tun. Im Gegenteil.
Wer behauptet, man stünde mit einem Pseudonym nicht zu seinem Werk, hat nicht verstanden, was es heißt, sich einen Namen zu machen.
Denn es gibt viele Gründe für ein Pseudonym. Mehr als man auf den ersten Blick sieht.
- Wenn dein echter Name klingt wie Tante Friedels Gartenratgeber.
- Wenn du zarteste Liebesgedichte schreibst, aber Heribert Käsbauer heißt.
- Wenn du verschiedene Genres unter verschiedenen Stimmen schreiben willst.
- Wenn du einen Brotjob hast, der nicht mit deinem Schreiben tanzen geht.
- Wenn du Familie hast und das Internet sich nicht von seiner besten Seite zeigt.
Oder vielleicht der schönste Grund von allen:
Weil du einfach selbst entscheiden willst, wer du als Autor sein möchtest.
Bei mir war’s erstaunlich unspektakulär:
Mein Vorname ist geblieben, leicht italienisiert. Der Nachname stammt aus einem Filmabspann. Zählreim, Augen zu, Finger drauf. Kurz. Schmerzlos. Passt.
Und ja, der Klarname steht eh im Impressum. Also wofür diese Aufregung?
Ein Pseudonym ist keine Maske. Es ist eine Entscheidung. Für Stil. Für Klarheit. Für Freiheit.
Manche dieser Notizen enden nicht hier.
Sie gehen weiter – in meinen Büchern.