Ein Buchprojekt zu pausieren passiert selten geplant. Es geschieht einfach. Plötzlich ist ein anderes Buch da.
Manchmal entscheidet nicht der Autor, welches Buch geschrieben wird.
Seit Jahren trage ich diesen einen Roman in mir. Oder besser gesagt: Er trägt mich. Mein Herzensbuch. Das, von dem ich lange dachte, es müsste mein Debüt werden.
Ein Projekt, das nicht um Erlaubnis fragt. Das einfach da ist. Das einfach in meiner Gedankenwelt kreist und wächst. Unaufhörlich, beharrlich, fast eigensinnig. Es ist ein Text, der nackt macht, der gräbt und freilegt. Der nicht lügt – ein Seelenstriptease, nur ohne Musik, ohne Spotlight, ohne schützendes Halbdunkel.

erschienen in der edizione cooper campoli
Je weiter ich schrieb, desto deutlicher wurde, wie sehr mich dieses Manuskript zugleich nährte und verzehrte.
Ich hätte gern gesagt: Ich schreibe einfach weiter. Aber irgendwann wurden die Momente mit der Muse seltener. Nach langen Arbeitstagen, gefüllt mit Zahlen, Tabellen und Neonlicht, kam ich nach Hause und stellte fest:
Da war nichts mehr.
Da kam nichts mehr. Mein Hirn ist nur noch Watte. Kein poetischer Gedanke. Kein Rhythmus. Kein Bild, das trägt. Nur Erschöpfung, ein leerer Blick und ein schlechtes Gewissen.
Und genau in dieser Stille begann ein anderes Buch zu wachsen. Völlig anders. Kein poetischer Tanz der Metaphern, sondern ein Wegweiser voller Erfahrung und echtem Leben. Klarer. Greifbarer. Erdiger. Weniger Seelenstriptease, mehr Wissen. Weniger Romantik – aber immer noch molto italiano.
Manche Geschichten brauchen Jahre. Andere fließen leicht und schnell aus der Feder. Und beides ist legitim.
Dieses Sachbuch ist kein Ersatz für den Roman, sondern eine Brücke. Ein Platzhalter, während die Muse auf dem Sessel neben mir döst. Mein Roman ist nicht verschwunden. Er wartet.
Ich habe das Schreiben nicht aufgegeben. Ich habe ihm nur ein anderes Kleid angezogen.
Und das ist genau der Punkt: Dass Schreiben nicht immer deinem Plan folgt, sondern dem, was gerade möglich ist.
Manche dieser Notizen enden nicht hier.
Sie gehen weiter – in meinen Büchern.