Ich halte Höflichkeit für eine gute Idee. Wirklich. Nicht als Maske, sondern als Grundhaltung.
Ein bisschen Abstand. Ein bisschen Respekt. Ein Versuch, dem anderen nicht sofort das Schlechteste zu unterstellen. Das klappt oft.
Man kommt durch Gespräche, ohne sie eskalieren zu lassen. Man lässt Dinge stehen, die man auch hätte zuspitzen können. Man bleibt ruhig, obwohl es einfacher wäre, es nicht zu sein.
Und dann gibt es diese Momente. Nicht viele. Aber genug. Momente, in denen Höflichkeit kippt. In denen sie nicht mehr wie Stärke wirkt, sondern wie Nachgeben. Wie ein stilles Einverständnis. Du merkst es daran, dass deine Sätze weicher werden, obwohl dein Gedanke längst klar ist.
Dass du formulierst, statt einfach zu sagen, was längst gesagt werden müsste. Dass du erklärst, obwohl es nichts mehr zu erklären gibt. Und genau da beginnt etwas anderes.
Klarheit. Nicht elegant. Nicht diplomatisch. Aber eindeutig.
In solchen Momenten denke ich manchmal an eine Figur, die das besser konnte als ich.
Eine Figur, die das besser konnte als ich: Götz von Berlichingen.
»Vor Ihro Kaiserliche Majestät hab ich, wie immer, schuldigen Respekt.
Er aber, sag’s ihm, er kann mich im Arsch lecken.«
Keine feine Klinge. Kein Umweg über Formulierungen. Nur ein Satz, der bis heute nachhallt. Vielleicht nicht schön. Aber ehrlich. Anstand bedeutet nicht, alles hinzunehmen. Sondern zu wissen, wann er endet.
Manche dieser Notizen enden nicht hier.
Sie gehen weiter – in meinen Büchern.