Die Toskana Wochenschau beginnt diese Woche mit einem Feiertag, der in Italien mehr ist als ein freier Tag. Der Primo Maggio bringt Menschen auf Plätze, in Parks und an die Küste. Gleichzeitig zeigt der Frühling seine schönste Seite – und seine ersten Warnsignale.
Zwischen Irisblüte in Florenz, trockenen Hügeln und einem unerwarteten Besucher vor der Insel Giglio verdichtet sich eine Woche, in der Natur, Alltag und Nachrichten enger zusammenrücken als sonst.
Volle Stadt, zurückhaltende Buchungen
Florenz startet mit vollen Hotels ins lange Mai-Wochenende. Die Auslastung liegt bei rund 89 Prozent, rund 115.000 Übernachtungen werden in der Provinz erwartet. Online gehört die Stadt zu den meistgesuchten Reisezielen Italiens.
Vor allem im gehobenen Segment brechen die Buchungen jedoch ein. Nach Angaben des italienischen Branchenverbands für touristische Kurzzeitvermietung »Property Managers Italia« gingen die Reservierungen in der vergangenen Woche um bis zu 80 Prozent zurück. Auch die Umsätze liegen deutlich unter den Erwartungen.
Als Ursache gelten die geopolitischen Spannungen rund um den Iran. Gerade internationale Luxusreisende reagieren schnell auf Unsicherheit, Flugrisiken und steigende Energiekosten. Im günstigeren Segment bleibt die Nachfrage dagegen stabil.
Tourismus ist in Florenz selten einfach nur Tourismus. Die Stadt bleibt gefragt, selbst wenn die Unsicherheit wächst. Aber je höher das Budget, desto empfindlicher reagiert das Reisen auf Weltpolitik.
Wenn der Wind nicht nachlässt
In Teilen der Toskana galt zum 1. Mai anhaltende Wetterwarnung. Grund war starker Grecale – ein trockener, kalter Nordostwind, der vor allem in den zentralen und nördlichen Regionen mit kräftigen Böen durchzog.
Betroffen waren unter anderem die Ebene von Florenz, das untere Arnotal und mehrere Täler zwischen Pisa, Pistoia und Prato. Die Warnung wurde verlängert, weil sich die Lage nicht beruhigte.
Genau dieser Wind wurde gleichzeitig zum größten Problem beim Brand am Monte Faeta, zwischen den Provinzen Pisa und Lucca. Das Feuer war bereits in den Tagen zuvor ausgebrochen, erreichte dann aber durch die anhaltenden Böen den pisanischen Hang und bedrohte die Ortschaft Asciano. In der Nacht wurde fast der gesamte Ort evakuiert. Rund 3.500 Menschen mussten ihre Häuser verlassen.
Mehrere Gebäude brannten aus. Verletzt wurde zum Glück niemand. Die Einsatzkräfte arbeiteten die ganze Nacht. Feuerwehr, Zivilschutz, Armee und Polizei waren vor Ort. Am Morgen kamen zusätzlich Hubschrauber und Canadair zum Einsatz.
Als mögliche Ursache gilt ein außer Kontrolle geratenes Abbrennen von Olivenästen auf privatem Grund.
Wenn beides zusammenkommt – Trockenheit und Grecale – reicht oft ein kleiner Auslöser, damit aus Landschaft plötzlich Gefahrenzone wird.

Für ein paar Wochen offen
In Florenz hat der Iris-Garten wieder geöffnet. Bis zum 20. Mai ist der Giardino dell’Iris täglich zugänglich – oberhalb der Stadt, unterhalb des Piazzale Michelangelo, mit Blick auf das historische Zentrum. Der Eintritt ist frei.
Der Garten ist der Iris gewidmet, der Blume, die seit Jahrhunderten als Symbol von Florenz gilt und bis heute im Stadtwappen auftaucht. Angelegt wurde er in den 1950er Jahren, ursprünglich als Ort für einen internationalen Wettbewerb. Inzwischen umfasst die Anlage auf mehreren Terrassen Tausende Pflanzen und Sorten aus aller Welt.
Jedes Jahr schicken Züchter neue Rhizome nach Florenz, die aber erst nach drei Jahren Wachstum bewertet werden. Anfang Mai beginnt die Juryarbeit für den diesjährigen Wettbewerb, die Preisverleihung findet im Palazzo Vecchio statt.
Geöffnet ist der Garten nur für wenige Wochen im Frühjahr. Dann verschwindet er wieder hinter dem Jahreslauf. Der Iris-Garten gehört zu den wenigen Dingen, die in Florenz nicht immer da sind. Vielleicht ist genau das Teil seines Reizes.
Zwischen Reben und Routen
In der Toskana startet Anfang Mai die zweite Chianti Lovers Week. Sieben Tage lang ziehen Veranstaltungen rund um den Chianti durch mehrere Städte und Weinregionen – von Florenz über Siena bis Arezzo.
Geplant sind Verkostungen, Aperitivi, Wanderungen durch Weinberge und Besuche in Weingütern. Das Ziel: den Wein näher an die Menschen bringen. Nicht über Messen oder Fachpublikum, sondern im Alltag, in Bars, Enotheken und auf Plätzen. Der Chianti bleibt damit Teil des täglichen Lebens.
Während lokal eingeschenkt wird, bleibt international der Blick auf die Lage rund um die Straße von Hormus gerichtet. Dort verlaufen wichtige Handelswege – auch für italienischen Wein. Zwischen Glas und Lieferkette liegen manchmal nur wenige Seemeilen.
Wein ist in der Toskana selten nur Getränk. Mal ist er Wirtschaftsgut. Mal Landschaft. In dieser Woche ist er von allem etwas.

Feiertag mit offenen Wegen
Zum 1. Mai zieht es viele Italiener wieder durchs Land. Nach Schätzungen des italienischen Tourismusverbands »CNA Turismo« sind rund vier Millionen Menschen über das lange Wochenende unterwegs, dazu kommen etwa zwei Millionen internationale Gäste.
Die Toskana bleibt eines der gefragtesten Ziele. Neben den Küsten und Städten sind es vor allem kleinere Orte, Wanderwege und ländliche Regionen, die profitieren.
Auch kulinarisch bleibt der Feiertag bodenständig: Fave, Pecorino und Prosciutto gehören vielerorts weiter zum klassischen 1.-Mai-Teller.
Die Casa Museo Rodolfo Siviero – derzeit wegen Restaurierungsarbeiten geschlossen – ist ab sofort online zugänglich. Das neue Portal der Region Toskana dokumentiert Sammlung, Archivmaterial und die Geschichte jener Kunstwerke, die Siviero nach dem Krieg aus nationalsozialistischen Raubzügen zurückholte.
Die Wiedereröffnung des Hauses ist für 2027 geplant. Bis dahin bleibt der Zugang virtuell.
Nicht jeder Weg durch die Toskana führt über Straßen. Manche führen durch Landschaften. Andere durch Museen. Und manche inzwischen einfach durchs Netz.
Hai vor Giglio
Vor der Insel Giglio ist ein Hai mehrfach gegen ein Fischerboot geprallt. Drei Sportfischer waren rund 20 Seemeilen vor der Küste unterwegs, als das Tier unter dem Boot auftauchte und den Rumpf attackierte. Dabei verkeilte sich der Kopf des Tieres sogar zwischen den beiden Motoren. Die Fischer sprechen von einem Exemplar mit mindestens vier Metern Länge.
Ein hinzugezogener Meeresbiologe vermutet einen ausgewachsenen Kurzflossen-Mako – eine Art, die als schnell, aggressiv und schwer berechenbar gilt.
Um das Tier abzulenken, warfen die Männer einen Thunfischkadaver ins Wasser und entfernten sich. Verletzt wurde niemand. Der Hai blieb im Archipel.
Man denkt bei der Toskana oft zuerst an Wein, Hügel und Zypressen. Vor Giglio erinnert das Meer manchmal daran, dass es noch etwas anderes ist: Meer.
So endet diese Woche in der Toskana zwischen Aufbruch und Anspannung: mit blühenden Gärten, vollen Straßen, trockenen Hügeln und einem Meer, das daran erinnert, dass Natur selten stillsteht.
Manches kommt jedes Jahr wieder. Der Frühling. Die Feiertage. Die Touristen.
Anderes taucht unerwartet auf.
Freitag. Toskana. Wochen-Ciao.
Nächste Woche wieder.