Willkommen zur neuen Toskana Wochenschau. Diese Woche geht es um Orte, Menschen und Geschichten, die zeigen, wie sehr sich die Toskana zwischen Tradition und Veränderung bewegt. Florenz kämpft um bezahlbaren Wohnraum, die Ponte Vecchio wird erstmals grundlegend restauriert und in Lucignano verwandeln zehntausende Blumen ein ganzes Dorf in ein Freilichtkunstwerk.
Dazu gibt es Kultur unter freiem Himmel, neue Dreharbeiten für Netflix, einen ungewöhnlichen Maut-Tipp für Italienreisende – und die Geschichte einer jungen Wölfin, die allen Widrigkeiten zum Trotz zurück ins Leben findet.
Eine Stadt braucht Bewohner
Florenz verschärft seine Regeln für neue Ferienwohnungen deutlich. Künftig sollen die Beschränkungen nicht mehr nur im UNESCO-geschützten Zentrum gelten, sondern auch in zahlreichen angrenzenden Wohnvierteln. Insgesamt betrifft die Maßnahme mehr als 100.000 Wohnungen.
Im historischen Zentrum kommen inzwischen auf drei dauerhaft bewohnte Wohnungen zwei touristisch genutzte Unterkünfte. Die Stadt befürchtet, dass sich dieser Druck weiter ausbreitet und ganze Viertel schleichend ihren Charakter verlieren.
Die Folgen zeigen sich oft erst mit der Zeit. Mieten steigen, junge Familien ziehen weg, Studenten finden kaum noch bezahlbaren Wohnraum. Irgendwann verschwinden auch Bäcker, Handwerker, Schulen und Nachbarschaften – weil immer weniger Menschen tatsächlich dort leben.
Venedig gilt vielen als warnendes Beispiel. Dort sinkt die Zahl der Einwohner seit Jahrzehnten, während der Tourismus wächst. Florenz versucht nun, früher gegenzusteuern.
Bürgermeisterin Sara Funaro spricht von einem Kampf um die Lebensfähigkeit der Stadt. Eine einfache Lösung gibt es nicht: Der Tourismus bringt Wohlstand und Arbeitsplätze. Gleichzeitig braucht jede Stadt Menschen, die morgens zur Arbeit gehen, ihre Kinder zur Schule bringen und den Alltag jenseits des Tourismus am Leben halten.
Zwischen Hitzewelle und Regenschirm
Der toskanische Frühsommer zeigt sich derzeit von seiner wechselhaften Seite. Nach Temperaturen von über 30 Grad und zeitweisen Hitzewarnungen für Florenz kündigen die Wetterdienste pünktlich zum verlängerten Feiertagswochenende wieder Regen und Gewitter an.
Ganz folgenlos bleibt die frühe Hitze allerdings nicht. Die Region Toskana hat ihre Schutzmaßnahmen für Beschäftigte im Freien vorgezogen. Bis Ende August gilt an besonders heißen Tagen zwischen 12:30 und 16 Uhr ein Arbeitsverbot für Tätigkeiten mit längerer Sonneneinstrahlung – etwa auf Baustellen, in der Landwirtschaft oder in Steinbrüchen.
Die Maßnahme zeigt, wie sehr extreme Temperaturen inzwischen zum Alltag geworden sind. Während Touristen noch nach dem nächsten Schattenplatz suchen, müssen viele Beschäftigte längst ihren Arbeitstag an die Hitze anpassen.

Die zweite Jugend des Ponte Vecchio
Der Ponte Vecchio gehört zu den bekanntesten Wahrzeichen Italiens. Seit dem 14. Jahrhundert überspannt er den Arno, überstand Hochwasser, Kriege und sogar die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs. Nun erhält die berühmte Brücke erstmals in ihrer Geschichte eine umfassende konservatorische Restaurierung.
Bis Ende September sollen Pfeiler, Steinmauerwerk und besonders beanspruchte Bauteile gereinigt, gesichert und instand gesetzt werden. Die Arbeiten erfolgen größtenteils von schwimmenden Plattformen aus, damit Besucher die Brücke weiterhin nutzen können.
Für Florenz ist das Projekt mehr als eine Baustelle. Der Ponte Vecchio gilt als Symbol der Stadt und als eines jener Bauwerke, die so selbstverständlich wirken, dass man leicht vergisst, wie viel Pflege sie benötigen. Nach fast sieben Jahrhunderten bekommt die alte Dame am Arno nun eine wohlverdiente Schönheitskur.
Ein Dorf voller Blumen
In Lucignano verwandelt sich die Frühjahrszeit traditionell in ein Farbenmeer. Zur 87. Maggiolata Lucignanese schmücken die Bewohner ihr mittelalterliches Dorf mit Blumenarrangements, während kunstvoll gestaltete Festwagen durch die Gassen ziehen.
Die Maggiolata gehört zu den ältesten Frühlingsfesten der Toskana. Vier historische Stadtviertel bauen monatelang an ihren Wagen, die vollständig mit frischen Blumen dekoriert werden. Allein für eine einzige Komposition werden oft Zehntausende Nelken verwendet.
Die diesjährige Ausgabe steht unter dem Motto „Olympische Spiele – zwischen Antike und Gegenwart“. Wer das Spektakel erleben möchte, kann sogar stilecht mit dem eigens eingesetzten Treno dei Fiori anreisen.
Manche Orte feiern den Frühling mit einem Blumenstrauß. Lucignano antwortet darauf mit einem Kraken aus Nelken.
Geld zurück im Baustellenstau
Italien testet derzeit ein ungewöhnliches System für Autofahrer: Wer wegen einer Baustelle auf bestimmten Autobahnabschnitten lange im Stau steht, kann sich künftig einen Teil der Maut zurückerstatten lassen. Je nach Streckenlänge und Verzögerung sind Rückzahlungen von bis zu 100 Prozent möglich.
Die Regelung soll vor allem während der umfangreichen Modernisierungsarbeiten auf dem italienischen Autobahnnetz greifen. Ziel ist es, die Belastung für Reisende etwas abzufedern und gleichzeitig mehr Transparenz über Baustellen und Verkehrsbehinderungen zu schaffen.
Für Urlauber aus Deutschland dürfte das vor allem in der Hauptreisezeit interessant sein. Wer mit dem Auto Richtung Toskana unterwegs ist, findet bei Autostrade per l’Italia aktuelle Verkehrsinformationen, einen Mautrechner sowie Details zum neuen Cashback-System. Informationen zur Erstattung gibt es außerdem direkt auf der Seite zum Maut-Cashback bei Baustellenstaus.
Ob das die Nerven im Ferienverkehr rettet, ist fraglich. Aber immerhin könnte der nächste Baustellenstau etwas günstiger werden.
Die Toskana ist weit mehr als eine Urlaubskulisse.
Sie verändert sich ständig und bleibt sich dabei doch erstaunlich treu.
Hollywood zu Gast in der Toskana
Die Toskana bleibt als Filmkulisse gefragt. Für die vierte Staffel der Netflix-Serie The Diplomat wird derzeit unter anderem in Florenz und Prato gedreht.
Besonders die Medici-Villen von Poggio a Caiano und La Petraia dienen als Kulisse für die internationale Erfolgsserie mit Keri Russell und Rufus Sewell. Besucher können die Vorbereitungen teilweise sogar beobachten – für die eigentlichen Dreharbeiten bleiben einige Bereiche jedoch vorübergehend geschlossen.
Zerocalcare meldet sich zurück
Wer Italien einmal abseits von Postkartenmotiven verstehen möchte, sollte sich den Namen Zerocalcare merken. Der wohl bekannteste Comiczeichner des Landes hat dieser Tage eine neue Animationsserie bei Netflix veröffentlicht.
In Due Spicci versuchen Zerocalcare und sein treuer Begleiter Cinghiale ein kleines Lokal in einem römischen Vorort zu betreiben – und geraten dabei zwischen Existenzsorgen, Alltagschaos und die Frage, wie viel Belastung ein Mensch eigentlich aushält.
Wie schon seine früheren Serien verbindet Zerocalcare Humor mit Gesellschaftskritik und einem erstaunlich genauen Blick auf das heutige Italien. Wer Italien nicht nur bereisen, sondern auch ein wenig besser verstehen möchte, findet hier einen ungewöhnlichen Kulturtipp für den nächsten Fernsehabend.

Sommer unter freiem Himmel
Mit der Estate Fiorentina 2026 verwandelt sich Florenz wieder für vier Monate in eine große Freilichtbühne. Mehr als 1.200 Veranstaltungen stehen auf dem Programm – von Konzerten und Theateraufführungen über Lesungen bis hin zu Open-Air-Kinos in historischen Innenhöfen und auf stimmungsvollen Plätzen.
Besonders reizvoll sind die Filmabende unter freiem Himmel. Während anderswo das Kino im Multiplex beginnt, sitzen die Zuschauer in Florenz zwischen Klostermauern, Palazzi und jahrhundertealten Arkaden. Dazu kommen Musikfestivals, Tanzveranstaltungen und zahlreiche Kulturprojekte, die sich über die ganze Stadt verteilen.
Die Estate Fiorentina läuft von Juni bis September und richtet sich nicht nur an Besucher, sondern vor allem auch an die Florentiner selbst. Wer in den Sommermonaten in der Stadt unterwegs ist, sollte daher einen Blick ins Programm werfen. Oft sind es gerade die kleineren Veranstaltungen abseits der bekannten Sehenswürdigkeiten, die in Erinnerung bleiben.
Das vollständige Programm findet sich unter Estate Fiorentina 2026.
Eine Wölfin namens Agata
Bei Pistoia entdeckte ein Polizist auf dem Weg zur Arbeit eine verletzte junge Wölfin mitten auf der Straße. Er stoppte den Verkehr, deckte das Tier mit seiner Jacke zu und alarmierte die Rettungskräfte.
Die Tierärzte tauften die junge Wölfin später Agata. Bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass Becken und Vorderlauf mehrfach gebrochen waren. Nach einer komplizierten Operation und ersten kritischen Tagen gibt es inzwischen gute Nachrichten: Agata hat überlebt und beginnt sich zu erholen.
Ob sie jemals wieder in die Wildnis zurückkehren kann, ist noch unklar. Nach ihrer Genesung könnte sie im Nationalpark Abruzzen eine neue Heimat finden. Doch eines steht fest: Die junge Wölfin knurrt wieder.
Wenn zwischen AirBNB-Debatten, Open-Air-Kino, Blumenfesten und Brückenrestaurierungen eines deutlich wird, dann dies: Die Toskana ist weit mehr als eine Urlaubskulisse. Sie verändert sich ständig – und bleibt sich dabei doch erstaunlich treu.
Freitag. Toskana. Wochen-Ciao.
Nächste Woche wieder.