Instagram für Autoren wirkt heute fast selbstverständlich. Aber je länger man schreibt, desto mehr stellt sich die Frage, ob es wirklich der richtige Ort ist.
Ich habe lange gedacht, Instagram sei ein Ort. Ein Platz, an dem Dinge passieren. Texte. Bilder. Begegnungen. Es fühlt sich ja auch so an. Kommentare, Likes, kleine Sätze von Menschen, die man nie gesehen hat. Bis mir aufgefallen ist, dass dort eigentlich nichts passiert. Es wird nur angezeigt. Ein Unterschied, der klein wirkt, bis man ihn einmal ernst nimmt.
Denn ein Ort hat Tiefe. Er hat Widerstand. Er zwingt dich, dich zu verhalten. Er merkt sich, dass du da warst.
Instagram hat Fläche. Instagram merkt sich nichts. Es zählt nur. Nicht, was bleibt. Sondern, was durchgeht. Du kannst dort alles sagen – es hat nur kein Gewicht. Du kannst scrollen, aber du kannst nicht hineingehen. Du kannst reagieren, aber nichts wirklich berühren. Alles bleibt hinter dieser dünnen Schicht aus Glas.

Betrieb
Ich habe versucht, Instagram wie ein Werkzeug zu behandeln. Ich habe mir eine Struktur gebaut.
Mittwoch. Abend. Hardenberg.
Einmal die Woche posten. Ein Gedanke, sauber formuliert. Kein Füllmaterial. Keine Spielchen. Keine Trends. Kein Gehampel.
Das funktioniert. Zumindest nach außen. Nach innen passiert etwas anderes. Du beginnst, dich zu verbiegen. Instagram verhält sich nicht wie ein Werkzeug. Es behandelt dich wie Material. Du bist nicht der, der etwas benutzt. Du bist der, der benutzt wird. Nicht brutal. Nicht offensichtlich. Eher wie eine Gewohnheit, die sich einschleicht.
Du merkst es daran, dass du plötzlich nicht mehr schreibst, weil du etwas zu sagen hast. Sondern weil Mittwoch ist.
Verschiebung
Irgendwann habe ich aufgehört, dagegen anzuschreiben. Kein großes Statement. Kein „Ich bin raus“. Kein Bruch. Kein trotziges Löschen. Das wäre zu einfach gewesen. Und ehrlich gesagt auch ein bisschen eitel.
Nur eine kleine Verschiebung.
Instagram ist jetzt Oberfläche. Ein Schaufenster. Sauber, beleuchtet, gut erreichbar. Ich stelle etwas hinein. Und dann gehe ich wieder. Aber ich wohne da nicht mehr.
Instagram will keine Texte.
Es will Bewegung.
Der Text entsteht woanders. Langsamer. Ohne Scrollen. Dort, wo er Zeit hat, falsch zu sein, bevor er richtig wird. Ohne dieses Gefühl, dass jemand im Hintergrund die Uhr mitlaufen lässt.
Vielleicht ist das der sauberste Weg.
Nicht dagegen schreiben. Nicht dafür schreiben. Nicht kämpfen. Nicht mitspielen. Sondern entscheiden, wo etwas entsteht. Und wo es nur gezeigt wird.
Manche dieser Notizen enden nicht hier.
Sie gehen weiter – in meinen Büchern.